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Offensiv in den eigenen Reihen arbeiten von Rolf Adler Weidwerk und Jäger stehen in der öffentliche Diskussion. In Fernsehen und Rundfunk, auch in Zeitungen und Zeitschriften nehmen Jagdgegner(innen) und Tierschützer(innen) beharrlich Stellung gegen die Jagd und fordern nicht selten deren Abschaffung und Verbot. Dabei sind Jagdgegner(innen) in der Regel gut, wenn auch oft einseitig informiert, wissen um die neuralgischen und wunden Punkte im Weidwerk, bilanzieren akribisch und unnachgiebig Vergehen und Versäumnisse - kurz: haben ein feines Gespür dafür, wie Jagd und der Jägerschaft in der Öffentlichkeit beizukommen ist, und wie gegen die Streitgegner in der öffentlichen Meinung Punkte zu machen sind. Wer bereit ist, sich mit den Argumenten der Jagdgegner auseinander zu setzen wird feststellen, dass die Strategie den üblichen Gepflogenheiten einer verhärteten und auf Konfrontation statt auf Dialog ausgelegten öffentlichen Kontroverse entspricht, in deren Verlauf sich beiden Seiten nichts schenken. Der Gegner wird bei seinen Schwachstellen behaftet, einzelne Versäumnisse und Mängel werden offengelegt und bewusst als Zeichen allgemeiner Unzulänglichkeit interpretiert. Dabei werden die Verdienste und Erfolge vernachlässigt, und es entsteht ein Zerrbild, das nur wieder ins Lot gebracht werden kann, wenn die Argumente des Disputanten entweder relativiert oder aber widerlegt werden können. Dabei gibt es für uns Jäger und Jägerinnen immer wieder die altbekannte Schwierigkeit, dass ein "erschossenes Rehlein" schwer als hegerische Maßnahme vermittelt und durch allgemeine oder spezielle Notwendigkeiten begründet werden kann, auch wenn es nachweislich und objektiv betrachtet einen sachlichen Zusammenhang gibt. Da wir nicht all' diejenigen, die aus ideologischen Gründen auf solch verzerrte Kritik all zu sehr anspringen, beim Waldspaziergang oder Wildessen antreffen, fehlen unsrerseits dann die Anknüpfungspunkte und Gelegenheiten, um auf das Weidwerk positiv zu sprechen zu kommen. Die Jagdgegner haben es da einfacher. Sie knüpfen an das allgemeine und im Grunde ja auch ehrenwerte Gefühl an, dass man Tiere leben lässt, und schon sind Jägerinnen und Jäger in argumentativem Zugzwang. Wir scheitern in der Folge dann oft an dem allgemein-psychologischen Phänomen, dass Rechtfertigung unter Zugzwang und dazu noch im grellen Licht der öffentlichen Anklage immer einen bitteren Beigeschmack hat. Zudem ist öffentlich ausgetragener Streit oft gezeichnet durch pure Taktik und nicht sosehr durch Argumente, von denen man erwarten könnte, dass sie einen inhaltlichen und sachlichen Bezug zueinander haben, so dass durch sie am Ende ein begründetes Urteil ermöglicht wird. Es geht oft lediglich um "Punkte" in der öffentlichen Meinung; der Zweck heiligt dann die Mittel. dass die Jägerschaft am Ende dieses Jahrhunderts nicht allein auf dem gesellschaftlichen Prüfstand steht, mag noch am Rande bemerkt sein. Das, was man die gesellschaftlich relevanten Gruppen nennt (Gewerkschaften, Kirchen, Parteien, Verbände), steht heute allgemein auf dem Prüfstand. muss sich die Jägerschaft weitestgehend mit schlechter Presse und z.T. praxisferner Gesetzgebung auseinandersetzen, so haben sich Gewerkschaften, Kirchen, Parteien etc. damit zu befassen, dass die Leute ihnen den Rücken zukehren und das einst gemeinsame Anliegen nicht mehr vermittelbar ist. Nun wird niemand allen Ernstes behaupten wollen, dass es in der Jägerschaft keine Versäumnisse und im praktischen Jagdbetrieb keine Mängel gäbe. Man wird mit einer gewissen Gelassenheit als Gegebenheit hinnehmen müssen, dass dort, wo gehandelt wird, sich Fehler, Fehleinschätzungen und Irrtümer ereignen. Wo Menschen handeln, spielen zudem Eitelkeit, Arroganz, Missverständnisse und auch Borniertheit eine mehr oder weniger ausgeprägte Rolle. Es wird in Zukunft mehr den je Aufgabe der Jägerschaft sein, solchen Mängeln in den eigenen Reihen wirksam zu begegnen, deren Ursache nicht allgemeinmenschliches Unvermögen ist, sondern Fahrlässigkeit und die Ignoranz standesethischer Vorgaben. Immer weniger hinnehmbar wird es sein, dass Weidgenossen sich über den Tatbestand "öffentliche Meinung" hinwegsetzen und so tun, als gäbe es eine kritische Sensibilisierung der Öffentlichkeit nicht. Hier wird die organisierte Jägerschaft stärker mit eigenen Mitteln zur Räson rufen und ggf. in den eigenen Reihen Institutionen aktivieren müssen, die all' denen wirksam auf die Finger klopfen, die sich über Ziel und Auftrag der Jägerschaft hinwegsetzen und dem Weidwerk vorsätzlich oder fahrlässig Schaden zufügen. Die rechtlichen Rahmen sind dazu durch die vorhandenen Satzungen bereits gegeben. So sieht die Satzung der LJN im Paragraphen vier den Ausschluss eines Mitgliedes vor, wenn es "... gröblich oder wiederholt gegen die Satzung oder satzungsmäßigen Beschlüsse der Organe verstößt ..." Zu den satzungsmäßigen Zielen der LJN gehören " ... Pflege und Förderung aller Zweige des Jagdwesen ... sowie der waidgerechten Jagdausübung." (Satzung LJN, 4. Mai 1990, Paragraph 2. Absatz 2. Ziffer 2). Die Disziplinarordnung des DJV (Paragraph 1) schreibt ausdrücklich vor, dass alles zu unterlassen ist, "... was geeignet ist, das Ansehen der Jägerschaft gröblich zu verletzten." Ziel der Jägerschaft muss es sein (und wieder werden), "öffentlichkeitswirksamen" Vergehen jägerschaftsintern aber doch öffentlichkeitswirksam zu begegnen. Wir tun uns als Jägerinnen und Jäger keinen Gefallen, wenn wir angesichts öffentlicher und z.T. argwöhnischer Überwachung unseres Tuns im Konfliktfall mit Übeltäter den schnellen Schulterschluss üben und Korpsgeist dokumentieren, wo Klärung und ggf. Sühne/Strafe angebracht wären. Wenn z.B. im Rahmen einer Drückjagd im Bereich einer Schwarzwildhegegemeinschaft bei einer Freigabe von Stücken bis 50 kg ein hauendes Schwein gestreckt wird und der Schütze auch noch versucht, sich aus der Verantwortung zu ziehen, dann ist dies ein Verstoß gegen die Weidgerechtigkeit, die empfindlich geahndet werden muss. Wer heute in Deutschland einen Jagdschein besitzt und für sich in Anspruch nimmt, die charakterlichen Voraussetzungen für die Jagd zu besitzen, der muss und wird es akzeptieren, dass man sehr hohe Maßstäbe an ihn legt, die sich die Jägerschaft freiwillig auferlegt hat. In der öffentlichen Diskussion wäre schon viel gewonnen, wenn die Jägerschaft auf Hegerings-, Kreis-, Bezirks- und Landesebene gelegentlich öffentlich machen würde, dass die internen Maßstäbe an Weidgerechtigkeit und Zuverlässigkeit hoch sind und tatsächlich angewandt werden. Nur dann hätte man gutes Material in der Hand, um dem allgemeinen Vorwurf zu begegnen, Jagd bedeute im Grunde ein Geländespiel für Priveligierte, in dem richtig Blut fließen würde und in dem sich jeder selbst nach Gutdünken die Regeln aufstellt. Es geht um die Pflege und Wiederentdeckung hoher Maßstäbe an weidgerechtes Verhalten. Es geht um die spürbare Verfolgung von Übeltätern, damit nachvollziehbare und nachweisbare Standesregeln die eigenen Ansprüche an Zuverlässigkeit und Weidgerechtigkeit glaubwürdig(er) machen. Nun weiß jeder, dass es nicht ausreicht, standesethische Veränderungen "von oben" zu verordnen. Wenn ich glaubwürdiges Weidwerk will, muss ich selbst damit anfangen, glaubwürdig zu sein, und das alltägliche Weidwerk bietet dazu reichlich Gelegenheit. Nicht nur im Hinblick auf die Öffentlichkeit, auch im Umgang mit sich selbst darf und muss man Veränderung wollen. Ich habe 1975, als 18jähriger 60 DM (eine "Runde") Strafe gezahlt, weil ich als Jungjäger zum Verblasen der Strecke ohne Kopfbedeckung angetreten bin. Damals habe ich als Lehrling 320,--DM verdient. Meine Sühne betrug also knapp 20 Prozent meines Einkommens. Niemand hat damals daran gedacht, mir meine Strafe mangels Einkommen zu erlassen. Ich hatte mich als Jungjäger auf die Rechtsprechung des abendlichen Jagdgerichtes einzulassen. Es wäre mir übel bekommen, wenn ich damals gekniffen hätte. Ich hätte im ersten Jahr meiner Jägerei erheblich an Ansehen eingebüßt; "charakterlich zweifelhaft" hätte man mir mindestens ins Stammbuch geschrieben. Heute vermisse ich Jagdgerichte am Ende von Gesellschaftsjagden. Dabei läge darin eine gute, erzieherische Chance für alle, die meinen, Brauchtum und gutes Benehmen, tadelloses Auftreten und Verhalten wären heute nicht mehr nötig. Gestandene Jäger, beschlagen in Brauchtum und Weidgerechtigkeit, als Beisitzer des abendlichen Jagdgerichtes tagsüber jeder Jagdgruppe zugeordnet, ein kleines Büchlein, dass - wenn es gezückt wird -, schon Aufmerksamkeit bei den Jagdgästen erregt und zur Besinnung ruft - das ist kein großer Aufwand, aber hätte doch viel erzieherische Wirkung. Man überlege nur, welch' eine Bereicherung einer abendlichen Jagdgesellschaft es darstellt, wenn sich das Jagdgericht zur Beratung zurückzieht! Welche Spannung vor der (nicht allzu ernsten) bangen Frage, ob man vielleicht getadelt wird. Und wer es tagsüber gewagt haben sollte, aus Frust über mangelnden Anlauf mitten im Treiben auf einen alten Topf zu schießen, der sollte wenigstens wissen, dass ihn das abends teuer zu stehen kommt und nicht nur eine Patrone kostet, sondern vielleicht einen Hunderter in die Hegeringskasse oder einen Vormittag Frühjahreseinsatz auf dem Schießstand etc. - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ich habe leider zunehmend den Eindruck, dass uns unsere eigenen Grenzen verschwimmen und Regeln entgleiten. Aber wer nicht mehr zwischen erlaubt und unerlaubt im Kleinen zu unterscheiden aufgefordert und genötigt ist, der wird es mit Grenzen im Großen und in der Öffentlichkeit auch zunehmend schwer haben. In diesem Zusammenhang noch ein anderer Gedanke: dass die Angleichung unserer Hegegrundsätze und -ziele an moderne Erkenntnis unausweichlich ist, ist keine Frage. Es zeichnet sich ab, dass sich unsere langjährigen Hegeziele und -grundsätze z.B. in Hinsicht auf das Rehwild wissenschaftlich nicht alle halten lassen. Bei der Veränderung solcher Grundsätze und Vorgaben sollte aber auch immer danach gefragt werden, welche erzieherischen Ergebnisse die Hegeziele hatten und zeitigten. Man wohl heute nicht mehr behaupten können, dass sich Vererberqualität eines Bockes an dessen Geweih (ehemals Gehörn) ablesen ließen. Ja, man muss sich an den Gedanken gewöhnen, dass es Vererberqualitäten im ehemals angenommenem Umfang gar nicht gibt, sondern hinsichtlich der Stärke der Böcke andere, wichtigere Faktoren eine Rolle spielen, als die Gene. Aber als man uns damals beibrachte, nicht auf gutveranlagte, junge Böcke zu schießen, hat man uns zugleich Disziplin beigebracht und die dringende Mahnung, gewissenhaft anzusprechen, sich vertraut zu machen mit seinem Gegenüber, ggf. den Finger gerade zu lassen, um bei anderer Gelegenheit noch einmal anzusprechen, bevor man die ggf. unwiderufliche Bewegung mit dem Zeigefinger macht. Aus wildbiologischer Sicht sind das alte Zöpfe, alte Hüte und olle Kamellen. Aus standesethischer und pädagogischer Perspektive sind das aber auch Normen, die jeder Art von Schießertum grundsätzlich im Wege stehen und zur Verantwortung rufen. Mir steht vor jedem Schuss der blanke Schweiß auf der Stirn, und das nicht, weil ich schlechte Nerven hätte, sondern weil man mir beigebracht hat, dass der Schuss etwas sehr Schwerwiegendes ist. Jagdverbände und Hegegemeinschaften sollten natürlich die neuesten Erkenntnisse der Biologie kritisch in die eigenen Ziele einfließen lassen. Aber Neuerungen sollten immer auch unter der Fragestellung bedacht werden, ob mit veränderten Grundsätzen nicht möglicherweise etwas Erhaltenswertes aufgeben wird. Jedes Stück Wild in diesem Sinne ist "Hochwild", weil eine unwiederbringliche Kreatur, die niemand aus dem Tod ins Leben zurückführen kann. Überlieferte Grundsätze sind in diesem Zusammenhang mehr als romantische Tradition. Sie stellen möglicherweise die traditionelle Verankerung solcher standesethischer Grundsätze dar, die nicht auf den Luderplatz gehören. Wir werden als Jägerinnen und Jäger auch in Zukunft unsere Ziele und Vorgaben diskutieren müssen, nach innen und nach außen. Wir sollten dabei immer vor Augen haben, dass manche Kritik ein Strohfeuer ist, weil jede Meinung heute über unzählige Kanäle schnellsten breiteste Verbreitung findet und unter diesen Voraussetzungen hohe Wellen schlagen kann. Aber sollte es so kommen, dass die Jagd einst nicht mehr in der von uns vertretenen und für richtig befundenen Art und Weise ausgeübt werden kann, dann deswegen, weil Jagd kulturell ausgedient hat. Niemand wird solchen gesamtgesellschaftlichen Prozess aufhalten können. Ärgerlich aber wäre es, wenn solche Entwicklung durch einen leichtfertigen Imageverlust der Jagd befördert werden würde, weil es der Jägerschaft nicht gelingt, offensiv auch in den eigenen Reihen zu arbeiten. Und diese Arbeit muss in zwei Richtungen gehen: wir werden uns einer enormen Disziplin befleißigen müssen, und wir werden es lernen müssen, unsere Verdienste und Ziele zu vermitteln.
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